Stefanie Welsch – Ethnologin

Wer? Wo? Was? Wie? Warum?

…oder: Wie kommt eine Lisdorferin auf die Komoren?

Mein Studienfach Ethnologie:

Ethnologie, früher Völkerkunde genannt, ist die Wissenschaft des kulturell Fremden. Ethnologen erforschen kulturelle Phänomene weltweit. Dadurch verstehen sie nicht nur die erforschte Kultur besser, sondern können durch die neue Perspektive auch die eigene Kultur besser verstehen. Wichtig für die ethnologische Forschung ist die Feldforschung, das heißt ein längerfristiger Aufenthalt vor Ort zur Erforschung eines bestimmten Phänomens.  Mittlerweile gibt es auch Ethnologen, die kulturelle Phänomene der eigenen Kultur erforschen.

Während meines Studiums der Musikwissenschaft und Englisch in Saarbrücken, mit dem ich zunehmend unzufrieden war, wollte ich mein Studienfach wechseln. Ich war in meinem Nebenfach Englisch mit Kulturstudien in Berührung gekommen und wollte mehr über dieses Themenfeld erfahren. Hinzu kamen meine große Lust am Reisen und meine Neugier fremde Kulturen kennen zu lernen. So entschied ich mich in Mainz Ethnologie zu studieren und wusste nach kurzer Zeit, dass ich das Studienfach gefunden hatte, das wirklich zu mir passte.

Wie ich zu meinem Thema für die Masterarbeit kam:

Bereits im Bachelor hatte ich mich mit dem Themenkomplex Flucht und Migration beschäftigt und wollte im Master daran anknüpfen.  Ich besprach mich mit einer Professorin des Instituts, die unter anderem auf Migration spezialisiert ist, und entwickelte mit ihr über mehrere Wochen mein Thema. Ich besuchte Seminare zum Thema Migration, las dazu passende Literatur, bis sich am Ende ein Thema herauskristallisierte, zu dem ich forschen und meine Masterarbeit schreiben wollte: „Migration und Immobilisierung an der komorischen EU-Außengrenze“.  Ich las mich weiter ein und beschloss mich für ein Stipendium zu bewerben. Nach einigen Wochen Zittern und Hoffen bekam ich die Zusage für das Stipendium und konnte meine Forschung nun dank der finanziellen Unterstützung des DAAD (Deutscher akademischer Austauschdienst) unbeschwerter planen.

Warum gerade auf den Komoren:

Die Ethnologie der Universität Mainz ist auf Afrika spezialisiert, so dass ich im Bachelorstudium bereits viel über Afrika gelernt hatte.  Aufgrund dessen wollte ich meine Masterforschung in einem afrikanischen Land durchführen. Die Wahl fiel auf die Komoren, eine Inselgruppe in Ostafrika vor der Küste von Mosambik und nördlich von Madagaskar (siehe Karten). Die Komoren weisen eine Besonderheit auf, die sie für meine Forschung interessant machen: Das Archipel umfasst vier Inseln, von denen drei unabhängig sind und eine Insel, Mayotte, zu Frankreich und seit 2014 zur EU gehört. Die Lebensbedingungen auf den drei umliegenden Inseln sind ungleich schlechter und darum wollen viele Menschen, vor allem von der Insel Anjouan, nach Mayotte migrieren. In der Hauptstadt Anjouans, Mutsamudu, habe ich im März und April 2018 meine Forschung durchgeführt. Die Insel Anjouan ist mit 424km² Fläche annähernd so groß wie der Landkreis Saarlouis.

     

(Bilder von Google Maps)

Die Komoren sind politisch instabil und eines der ärmsten Länder der Welt, aber weitestgehend sicher, fand ich auf der Seite des Auswärtigen Amtes heraus. Da die Komoren touristisch kaum erschlossen sind und es sehr wenig Informationen im Internet gibt, war es schwierig die Forschung von Deutschland aus zu planen. Ich hatte nur wenig Anhaltspunkte und musste gezwungenermaßen vieles vor Ort und spontan organisieren. Mit viel Vorfreude und Neugier, aber auch mit viel Ungewissheit startete ich meine Reise Anfang März 2018.

Wie mein Start auf den Komoren verlief und wie ich mit den Menschen für meine Forschung in Kontakt getreten bin, berichte ich in Kürze hier auf lisdorf.de!