Aus der Saarbrücker Zeitung vom 28.10.2026
Das bürgerschaftliche Engagement in Lisdorf bei der Einrichtung eines Dorfgemeinschaftshauses wurde jetzt von der Union-Stiftung mit dem erstmals verliehenen Rudolf-Müller-Kommunalpreis gewürdigt.
VON OLIVER MORGUET
LISDORF. „Das ist heute ein großer Tag für den Verein und unser Dorf“, freute sich Herbert Germann, Vorsitzender des Vereins „Lisdorf – alles im grünen Bereich“, in seiner Begrüßungsansprache zur Preisverleihung. Die Dachorganisation der Lisdorfer Vereine erhielt den erstmals von der Union-Stiftung verliehenen Kommunalpreis für das LisDORFHaus, ein Dorfgemeinschaftshaus von Bürgern für Bürger, das im Januar dieses Jahres in einer ehemaligen Gaststätte, im Volksmund „Zockerneckels Greet“ genannt, Ecke Provinzialstraße/Holzmühler Straße eröffnet worden war (wir berichteten).

„Der Preis macht uns sehr stolz, denn er gehört der Dorfgemeinschaft, allen, die angepackt, geholfen und unterstützt haben, das Haus, in dem zuletzt ein Küchenstudio ansässig war, für den neuen Verwendungszweck herzurichten und zu renovieren“, betonte Germann. In einer Zeit, in der der Zusammenhalt in der Gesellschaft und ehrenamtliches Engagement immer stärker zurückgingen, habe Lisdorf das Gegenteil bewiesen und Bürgerengagement neu gedacht. Der Preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist, sei Rückenwind für die Arbeit, die zum Ziel habe, Menschen zusammenzubringen.



„Der Preis ist nach Rudolf Müller benannt und wurde im vergangenen Jahr anlässlich dessen 80. Geburtstags ins Leben gerufen“, erläuterte Hans-Georg Warken, Vorstandsvorsitzender der Union-Stiftung. Die Union Stiftung ist zusammen mit der Villa Lessing – Liberale Stiftung Saar und der Demokratischen Gesellschaft Saarland (DGS) an der Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar (GSB) beteiligt, die rund 28 Prozent der Anteile an der SZ hält. Müller war von 1974 bis Dezember 2001 Bürgermeister in Püttlingen und ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung.
Mit dem LisDORFHaus werde ein Leuchtturmprojekt ausgezeichnet, das die Identität vor Ort stärke und Menschen zusammenbringe. Dass die Jury sich unter 26 Bewerbungen, darunter viele interessante Projekte, dazu entschieden hatte, Lisdorf den Preis ungeteilt zu verleihen, unterstreiche die besondere Bedeutung.

Warken stellte auch die Ziele der Stiftung vor, wozu unter anderem vielfältige Hilfen für Vereine gehörten: „Wir wollen junge Menschen in die Vereine bringen und dort binden.“
„Das ist ein besonderer Tag für Lisdorf, aber auch für die Stadt Saarlouis“, hob Oberbürgermeister Marc Speicher hervor. Er gab bekannt, dass der Stadtrat am Donnerstag, 29. Oktober, über den Ankauf des Gebäudes entscheide, das aktuell nur angemietet ist. Georg Jungmann, zusammen mit Herbert Germann Motor des LisDORFHaus, kündigte an, dass das Preisgeld dazu verwendet werden soll, den Keller auszubauen und dort mit Spielgeräten wie Kicker, Flipper und Darts-Scheibe auch verstärkt junge Menschen anzusprechen. Außerdem soll die Bibliothek als Rückzugsort im Obergeschoss von dem Geld weiter vorangebracht werden.
Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung vom Duo Arc-en-ciel (Regenbogen). Die junge Sängerin Barbara Lauer aus Lisdorf interpretierte zur Gitarrenbegleitung von Alain Legroux deutsche, französische und englische Lieder.
Warken verlas auch den Urkundentext: „Mit dem LisDORFHaus beim Zockerneckels Greet würdigt die Union Stiftung das herausragende und vorbildliche bürgergetragene Dorfgemeinschaftshaus, das durch eine lokale Initiative in Kooperation von Vereinen, Ehrenamtlichen, Sponsoren und der Stadt Saarlouis als Begegnungsstätte und Veranstaltungsort für Lisdorf verwirklicht worden ist.“
Das Haus wurde 1910 von Margarete Breininger, genannt „Zockerneckels Greet“, als Kolonialwarenhandlung erbaut und ab 1912 als Gaststätte geführt (unter wechselnden Pächtern bis in die 1990er-Jahre). Danach waren hier ein Frauenladen und zuletzt das Küchenstudio Peter untergebracht.